Der zweite Kreis: Monate 3-12

Eine Intensivwoche legt die Grundsteine für alle wichtigen Themen des ersten Jahres, die dann in 8 Wochenenden – einem pro Monat – vertieft werden. 
Wichtige Diagnosefertigkeiten, Stichtechniken und Punktlokalisation werden immer wieder ausführlich geübt und erweitert. 
So lernen Sie, Ihrer eigenen Wahrnehmung zu vertrauen, und erarbeiten gemeinsam mit den Dozent:innen schrittweise alle wichtigen Konzepte und Modelle.

Wie erklärt Chinesische Medizin die menschliche Physiologie?

Atmen, schlafen, essen, trinken, verdauen, gehen, sitzen, denken, lachen, weinen, sehen, hören… Die Grundlage für das chinesische Verständnis des menschlichen Lebens bilden ausgehend von yin und yang die Konzepte der

  • Substanzen: qi, Blut (xue), Flüssigkeiten (jinye), Essenz (jing) und Geist/Spirit (shen).
  • Funktionskreise / Organe (zangfu) und Wandlungsphasen / Elemente (wu xing)
  • Leitbahnen (jingluo)
Wir betrachten gemeinsam grundlegende physiologische Prozesse: wie die Körpersubstanzen entstehen, wie sie sich im Körper bewegen und wandeln, und was die Rolle der zangfu dabei ist. Sie verstehen, welche Funktionen die zangfu, Substanzen und jingluo haben, und wie sie zusam­men­wirken. So erhalten Sie ein Bild menschlicher Physio­logie aus chinesischer Sicht.

Aus der fundierten Kenntnis der Physiologie entsteht ein tiefgehendes Verständnis für den Pathomechanismus, d.h. für die Art und Weise, wie bei einer Krankheit die Abläufe im Organismus gestört sind.

Pathologie ist gestörte Physiologie

Sie lernen, die Symptome und Zeichen dieses Patho­mecha­nismus mit den vier diagnostischen Methoden (si zhen) der Chinesischen Medizin wahrzunehmen:

  • Mit der visuellen körperlichen Untersuchung (Inspektion): Differenzierung der spezifischen     Zeichen von Zunge, Haut und Gesichtsfarbe
  • Mit der Diagnose nach Gehör (Klang der Stimme, Atmung, Husten) und Geruch (Körpergeruch)
  • Mit der Befragung (Anamnese)
  • Mit der tastenden Untersuchung (Palpation) von Puls, Haut und Bauch.
Und Sie lernen, die Symptome und Zeichen anhand der acht Leitkriterien (ba gang) einzuordnen und so zu erkennen, auf welche Weise die Abläufe im Organismus gestört sind (Pathologie der Substanzen, zangfu, jingluo, etc.).
Sie lernen, wie es zu diesen Störungen kommt (Krankheitsfaktoren) und wie Sie mit Akupunktur regulierend auf den Organismus einwirken können:

„Akupunktur reguliert das qi“ (Huang Di nei jing ling shu Kap.75)

Um das reguläre Fließen und Wandeln wieder zu ermög­lichen, ist die grundsätzliche Behandlungs­strategie tong: durchgängig machen. 
Ausgehend davon erlernen Sie differen­zierte Behandlungs­strategien und entsprechende Akupunktur­techniken. 

Sie beschäftigen sich mit den Wirkungen der verschiedenen Punkte­kategorien (shu, hui, mu, xi) sowie mit den spezifischen Indikationen der einzelnen Akupunktur­punkte.

Sie lernen Erkrankungen z.B. der Atemwege, des Verdauungs­systems oder der Gynäkologie ebenso entsprechend der Chinesischen Medizin zu differenzieren, wie Schmerz­syndrome wie Kopf- oder Bauchschmerzen.

Sie werden in die Diagnose nach den Sechs Schichten und Vier Aspekten eingeführt: zentrale Konzepte der Chinesischen Medizin, insbesondere um die Situation bei Infekten adäquat zu erfassen.

Die Anwendung der außerordentlichen Gefäße (Qi jing bai mai), wie sie in klassischen und modernen Quellen beschrieben ist, eröffnet Ihnen eine weitere wichtige Behandlungs­möglichkeit in der Akupunktur.

Die zweite Intensivwoche schließt den zweiten Kreis der Ausbildung. Alle grundlegenden Fähigkeiten, die Sie im ersten Jahr erlernt haben, werden nochmals vertieft und integriert. Jetzt können Sie anfangen, in Ihrer Praxis eigene Patient:innen zu behandeln.